Prothetik

Amputation:

Unter einer Amputation versteht man die Abtrennung eines Körperteiles. Diese kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel als Unfallfolge oder chirurgisch, wenn das Körperteil nicht verheilen würde oder das Leben des Patienten in Gefahr ist. Selten ist eine Amputation auch eine Strafe für Verbrechen oder Fehlschläge, die Amputation der Füße (刖, Yuè oder 膑/臏, bìn) galt als eine der fünf Strafen im alten China (Xia- und Qin-Dynastie).

 

Prothetik:

Prothetik ist eine Wissenschaft, die sich mit der Entwicklung und Herstellung von Prothesen befasst, die einen künstlichen Ersatz für verlorene Organ oder Körperteile darstellen. In ihr finden unter anderem Elektronik, Mechanik und in High-Tech Prothesen auch Informatik Anwendung. Teilbereiche der Prothetik sind zum Beispiel die zahnärztliche und die Sportprothetik. Es werden auch verschiedene Arten von Prothesen unterschieden, diese sind: Exoprothesen, die vollständig außerhalb des Körpers liegen, Endoprothesen, die vollständig innerhalb des Körpers liegen und offene Implantate, die meist im Knochen verankert sind und aus dem Gewebe herausragen.

 

Geschichte:

Die Amputation ist einer der ältesten Chirurgischen Eingriffe: bereits vor 50.000 Jahren wurden Amputationen von Neandertalern durchgeführt, die der Patient überlebte. Erste funktionelle Prothesen gab es erst gegen 2000 vor Christus im alten Ägypten. Im Mittelalter durchtrennte man Gliedmaßen dort, wo sie durch Wundbrand nicht mehr durchblutet waren. Dies verhinderte zwar starke Blutungen, aber nicht den meist tödlichen Wundbrand. Erst im Spätmittelalter wurde diese Methode durch die Kauterisation mit einem Brenneisen oder ätzenden Chemikalien abgelöst.

Einer der bekanntesten Prothesenträger des Mittelalters war wohl der Ritter Götz von Berlichingen zu Hornberg, der mit seiner „eisernen Hand“, mit dessen arretierbaren Mechanismus er angeblich sogar ein Schwert halten konnte.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden chirurgische Amputationen meist aufgrund von Kriegsverletzungen, Seuchen oder Infektionen vorgenommen und die Sterblichkeitsrate nach dem Eingriff lag aufgrund mangelnder Hygiene und Infektionen bei fast 40 % und somit war auch die Prothesenversorung nebensächlich. Mit weiteren Entwicklungen, wie der Arterienligatur, die die Kauterisation ablöste, und der Narkose sank die Sterblichkeitsrate drastisch und so gewannen Prothesen an Bedeutung. Der Berliner Zahnarzt Peter Baliff entwickelte 1812 eine Armprothese, die willkürlich (ohne Unterstützung der gesunden Hand) bewegt werden konnte. Beine wurden meist durch Holzkonstruktionen ersetzt, die um den Beinstummel geschnallt wurden.

 

Moderne Prothetik:

Heute sind Prothesen den echten Gliedmaßen fast ebenbürtig. Dank Mikroprozessoren und myoelektrischen Systemen können auch komplexere Bewegungen ohne Zuhilfenahme der gesunden Hand ausgeführt werden und mithilfe Taktiler Sensoren, wie sie am Fraunhofer Institut in Magdeburg zum Einsatz bei Industrierobotern erforscht werden, ist es bereits möglich mit Prothesen zu fühlen. Allerdings sind solche Pothesen immer noch sehr teuer und deshalb nicht für jeden zugänglich.

 


~von Max John

Advertisements